Worum geht es?

„Wenn wir wieder wahrnehmen“ möchte ein Weckruf sein. Kein Aufschrei, auch kein Aufruf zu panischem Aktionismus um kurz vor oder nach zwölf. Eher eine Einladung, innezuhalten und dadurch wach zu werden. Es möchte beschreiben, was uns abhanden gekommen ist – tiefes, bezogenes Wahrnehmen – und wie wir es wiederfinden können.

Leserinnenstimme:
Die Texte bewegen sich tief in mir, auch die visuellen Eindrücke wirken noch auf mich. Wow. Ich fühle mich zugleich tief erkannt und durchgeschüttelt, konnte so viel finden in diesen Zeilen. Erst eben habe ich die letzten Seiten gelesen und kann mein Erleben gar nicht recht benennen, neben diesem doch recht flachen Wort "wow" (das ich zutiefst meine!) nur sagen: Ich wünsche uns Menschen, dass sehr viele von uns dieses Buch in uns wirken lassen werden.“ (Luka)

Wir müssen anerkennen: Wie sich im Moment das gestaltet, das wir Leben nennen, dient nicht dem Leben. Wenn sich nicht etwas Wesentliches verändert an unserer Kultur, dann wird die Menschheit als kurze Episode in die Geschichte des Lebens auf diesem Planeten eingehen. Ein evolutionärer Irrtum, eine Sackgasse, die in absehbarer Zeit ein Ende finden wird, weil wir mit unserer Lebensweise sowohl anderes Leben vergiften und auslöschen, als auch in logischer Folge unser eigenes. Ohne anderes Leben können wir nicht sein.

Der Klimawandel – als Symbol für die vielfältigen Krisen unserer Zeit – ist zwar in unser Bewusstsein gerückt, nicht aber die Einsicht, dass es darum geht, unser Verhältnis zum Leben, das ganze Narrativ, auf dem unsere Kultur fußt, grundsätzlich zu hinterfragen. Dazu fehlt uns die Zeit, wir sind gestresst und hecheln im Hamsterrad. Und wir fühlen uns ohnmächtig, leiden unter den Lebensbedingungen unserer zivilisierten Welt – und kreieren sie doch mit. Denn wir verkörpern diese Kultur und erschaffen sie durch unser Handeln jeden Tag neu, geben ihr Futter und Bestätigung. Wir selbst schaffen diese Kultur – nicht irgendwelche externen Kräfte. Wenn wir das begreifen und bereit sind, unsere Verzweiflung darüber zu spüren, erst dann kann sich etwas verändern – nicht oberflächlich, sondern grundlegend.

„Wenn wir wieder wahrnehmen“ ist ein Plädoyer dafür, dass wir Menschen unserem überbewerteten Verstand eine feine Wahrnehmungsfähigkeit und Sinnlichkeit an die Seite stellen, damit wieder in Balance geraten kann, was momentan in einer Schieflage steckt. Wie können Denken und Spüren in ein produktives Wechselspiel miteinander kommen und wie können wir aus so einer Haltung und Fähigkeit heraus die Welt lebensförderlich gestalten?

Ohne wache Sinne hat der Verstand keine Basis, wir haben uns im wahrsten Sinn des Wortes entwurzelt. Oder vielmehr: Wir konnten nie ganz auf der Erde landen und uns in der Geborgenheit des Lebensgefüges beheimaten, weil wir bei unserer Geburt keine guten Bedingungen vorfanden. Vor lauter Schreck haben wir uns in unseren Kopf zurückgezogen und hoffen, dort Sicherheit über Kontrolle zu finden. Dieses Bedürfnis zu kontrollieren entspringt allerdings nicht einer Souveränität, sondern unserer starken Verunsicherung und dem über die Jahre angehäuften (kollektiven) Trauma. Was dieser Kontrollzwang anrichtet, davon zeugen die vielfachen Krisen unserer Zeit.

Also gilt es, die Errungenschaften des Verstandes mit unserer Kreatürlichkeit bewusst wieder zu verweben, um in unser volles Potenzial hineinzuwachsen. Das erfordert Übung und die beherzte Entscheidung, gewohnte Pfade und damit auch liebgewordene vermeintliche Sicherheiten zu verlassen.

Wenn wir ein Vertrauen in die eigene Wahrnehmung entwickeln, können wir der Welt begegnen wie sie ist und aus dem Moment heraus unser Handeln gestalten, anstatt in blindem Trott Gewohntes, aber Schädliches zu reproduzieren. Dafür müssen wir als wir selbst anwesend sein. Das versuche ich mit diesem zum Teil aus sehr persönlicher Perspektive geschriebenen Buch. Im improvisatorischen Tanz habe ich Übungsfelder für Präsenz und Wahrnehmung gefunden und zu schätzen gelernt. Diese Erfahrungen einer prozesshaften, künstlerischen Haltung dem Leben gegenüber möchte ich teilen und die Leser*innen ermuntern, sich anstecken zu lassen vom Mut zu mehr Sinnlichkeit. Nicht, weil es das eigene Leben ein bisschen netter macht, sondern weil das Überleben der Menschheit davon abhängen könnte. Tiefer wahrzunehmen hat eine politische Dimension.

Kulturwandel braucht eine Rückbesinnung auf die Weisheit, die allem Lebendigen innewohnt. Ich erzähle davon, wie ich meiner Sehnsucht nach Lebendigkeit folgte und beschreibe, welche somatisch-künstlerisch-politische Praxis daraus erwuchs. Damit will ich nicht unbedingt zum Nachmachen anregen – vielmehr dazu, dem eigenen Ruf zu folgen. Wenn wir alle das in die Welt bringen, was sich richtig und im besten Sinn lebendig anfühlt, dann könnten wir auf dem Weg in eine lebenswerte und enkeltaugliche Welt sein.

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Einblicke

Alles anders als gewohnt:
kein Copyright, flexibler Beitrag, freier Bezug

Wenn wir, die Mitglieder des herausgebenden Vereins, insbesondere das Buchteam, hier zu einem Paradigmenwechsel aufrufen, möchten wir es nicht bei einem Gedankenspiel belassen, mit dem wir viele Seiten geduldigen Papiers bedrucken.

Wenn wir die Inhalte dieses Buchs und damit uns selbst wirklich ernst nehmen, können wir es nicht auf dem üblichen Weg „auf den Markt bringen“. Denn die Logik dieses Marktes beißt sich an allen Ecken mit dem, was hier als wünschenswert beschrieben und als neue Kultur skizziert wird. Wir haben nun lustvoll, radikal und experimentierfreudig den Versuch unternommen, ein Buch herauszubringen, zu dem wir rundum Ja sagen können. Es hat großen Spaß gemacht, so gut wie keine Kompromisse einzugehen, sondern uns dem Entdecken und Erfinden anderer Wege zu widmen, die zum Teil bereits durch Heikes erstes Buch geebnet wurden.

Das Ergebnis mag vielen Leser*innen zunächst einmal kompliziert und umständlich erscheinen. Nichts funktioniert einfach so, wie wir es gewohnt sind. Ja, so ist das mit Veränderung, nur so geschieht Entwicklung. Wir nehmen das gern das in Kauf. Es ist uns lieber, ein wenig anstrengend daherzukommen, als das einfachere, aber ausbeuterische, und lebensfeindliche Normale fortzuschreiben und damit zu seinem Weiterbestehen beizutragen. Es ist nämlich nicht alternativlos. Nur weil es als normal gilt, ist es noch lange nicht in Ordnung – eher im Gegenteil. Wenn dann nicht mehr alles selbst-verständlich ist, erklären wir es eben:

Creative-Commons-Lizenz statt Copyright

Was sich kaum jemand bewusst macht: Ein Copyright erzeugt Mangel, es beschränkt die Nutzung von Texten und ihren Inhalten, beharrt auf geistigem Eigentum. All das möchten wir nicht. Wie absurd wäre es, einen Text zu schreiben, der zum Teilen und Wirksamwerden aufruft – und dann seine Verbreitung künstlich einzuschränken, weil das halt so üblich ist und jedes Buch im Impressum dieses kleine eingekreiste c stehen hat. Wie seltsam wäre es, zu behaupten, was hier steht, sei unser Eigentum. Es ist so genährt von kollektivem Reichtum an Erkenntnis. Möge es nun in dieser Form ungehindert in die Welt finden und dem Wandel dienen! Wir freuen uns, wenn diese Texte unter Nennung der Quelle frei genutzt und weitergegeben werden. Einzige Voraussetzung ist, dass die Weiternutzung nicht zu kommerziellen oder mit Copyright versehenen Zwecken geschieht, denn an dieser Stelle würde das bestehende System unsere Haltung für ihren Profit missbrauchen. Dafür stehen wir nicht zur Verfügung – im Zweifelsfall nehmt bitte einfach Kontakt mit uns auf. Danke.

Bei Interesse an Sibylles Bildern wendet euch bitte direkt an sie: https://sibylle-reichel.de.

Flexibler Beitrag statt festem Buchpreis

Ebenso unsinnig und beschränkend wie das Copyright kommt uns ein fester Preis vor. Menschen verdienen so unterschiedlich viel Geld, dass das Buch entweder für manche nicht erschwinglich wäre oder wir den Preis so weit drücken müssten, dass das Buchteam am Ende leer ausginge. Es geht uns ohnehin nicht darum, hier etwas zu „verkaufen“: Wenn Menschen frei beitragen können anstatt etwas zu einem festgelegten Preis erwerben zu müssen, verabschieden wir uns ein Stück weit von Bedingungen und Tauschlogik. Diese Texte geben unserer Vereinsarbeit eine ideelle Basis und stärken die Haltung, die unserem Wirken zugrunde liegt. Und sie wollen in die Welt.

Das Buch soll für alle zugänglich sein – unter dem Motto: „Gib was du kannst!“ Zur Orientierung nennen wir einen Richtwert (38 €). Wenn alle so viel geben, können wir, die wir das Buch gemacht haben, gut von unserer Arbeit leben. Daneben gibt es den Sockelbeitrag (14 €). Mindestens soviel brauchen wir, damit die reinen Produktionskosten des Buches gedeckt sind (Druck, Material, Reisekosten und ähnliche Ausgaben), wir also nicht draufzahlen. Wenn du nicht viel Geld zur Verfügung hast und den Sockelbeitrag wählst, schenken wir dir unsere Zeit und Arbeitskraft, die in dieses Buch geflossen sind.

Viele Ökonom*innen, die darüber nachdenken, warum wir vom Schenken abgekommen sind, legen ja dar, dass die Idee des Tauschens und Bezahlens darauf beruht, dass wir Dinge in der Gegenwart gern verschenken würden. Was uns daran hindert, ist die Angst vor Mangel in der Zukunft. Wenn du magst, betrachte deine Geldgabe also als Unterstützung, dass wir weiterhin diese Arbeit tun können. Wir vertrauen darauf, dass Menschen genug geben werden.

Finde auf der Grundlage dieser Informationen einen Beitrag, der für dich stimmt – der wertschätzt, was in die Entstehung dieses Buches geflossen ist, dir aber nicht wehtut. Bei dem hohen Richtwert schlucken manche. Das Buch soll kein exklusives Luxusprodukt sein, sondern eines, dessen Herstellung mit Wertschätzung und Respekt für alle und alles einhergeht. Wir trauen uns, diesen ehrlichen Richtwert vorzuschlagen und ihn nicht zu drücken – weil es auch den Sockelbeitrag gibt.

Anders beitragen

Es gibt viele weitere Möglichkeiten beizutragen, zu diesem Buchprojekt und zu einer Kultur jenseits von Tauschlogik und Quitt-Sein – bspw. über eine Spende oder tatkräftige Unterstützung es in die Welt zu bringen.

Cradle to Cradle statt so billig herstellen wie möglich

Wenn uns das Leben auf diesem Planeten am Herzen liegt, braucht es andere Produktionswege, Kreisläufe, die keinen Müll, keine Belastung erzeugen und nicht auf Kosten unserer Mitwelt Profit machen. Wir sind dankbar, dass die Druckerei gugler auf diesem Gebiet Pionier*arbeit leistet und freuen uns, das Buch dort drucken zu können.

Um Müll zu vermeiden, verzichten wir auf das Einschweißen der einzelnen Bücher. Sollte es dadurch beim Transport bei dem einen oder anderen Buch zu einer kleinen Macke kommen, bitten wir, diese als Lebensspuren und sichtbares Zeichen von Wandel zu betrachten.

Selber machen und auf Unterstützung bauen

All die genannten Besonderheiten sind bislang nicht so gut vereinbar mit den Selbstverständlichkeiten von konventionellen Verlagen und Buchhandel. Also geben wir als Verein Ideen³ das Buch in Eigeninitiative heraus. Es kann bezogen werden per → Direktbestellung hier bei uns.

Und wir freuen uns, dass es ein paar kleine Läden gibt, Buchhandlungen und andere, die sich auf unser ungewöhnliches Finanzkozept einlassen. Danke! Ihr findet diese Läden in der Liste der Verteilstationen.

Wir freuen uns über die Unterstützung unserer Leser*innen, um das Buch auf ungewöhnlichen Wegen in die Welt zu bringen: Wir sind dankbar für eure Anregungen, wie es auf Büchertischen, in Läden, bei Veranstaltungen oder anderen aufgeschlossenen Orten es seinen Platz und damit seine Leser*innen finden kann. Wir haben in der Entstehungsphase bereits eine derart großzügige Unterstützung durch zinslose Privatdarlehen erfahren, da sind wir voller Zuversicht, dass uns bei allem Weiteren ebenso viel Hilfe zuteil werden wird.

Melde dich gern, wenn du Ideen dazu hast: ... oder schaue dir unsere Vorschläge an: