Wenn wir wieder wahrnehmen

Wach und spürend den Krisen unserer Zeit begegnen

 

von Heike Pourian
mit Bildlichen Resonanzen von Sibylle Reichel

Es ist unabdingbar geworden, dass wir uns mit jeder Faser unseres Seins dem Wandel widmen. Unsere Kultur macht es uns allerdings sehr schwer, beides überhaupt zu spüren: die Fasern und das Sein. Wir haben den Kontakt zu unseren Körpern verloren und damit zu unseren Sinnes­emp­fin­dungen. Und wir haben verlernt, einfach nur da zu sein. Wieder wahrnehmen zu lernen kann uns den Weg zu wirklicher Veränderung weisen. Es ist radikal und sehr politisch.

Die 2. Auflage ... ist da!

Hurra, die zweite Auflage ist da. Heike, Sibylle, Jens und Janne haben fleißig Korrekturen, ein paar kleine aber wichtige Ergänzungen eingefügt, ein Nachwort gebastelt. Danke auch für eure Hinweise über das Fehlerpad und viele eurer Hinweise eingear­beitet. Viele Augen sehen mehr. Am 1. Juli ging die Datei zu unserer Druckerei gugler und Ende August kamen die Bücher bei uns an.

Wichtig für Leser*innen mit einem Buch der ersten Auflage: Alle Verände­rungen werden wir in Kürze hier auf der Buchwebseite platzieren.

Danke an euch Darlehensgeber*innen, die ihr den Druck und die Anschub­fi­nan­zierung für den Versand ermöglicht. So viel Rückenwind berührt uns immer wieder! Einige von euch haben uns erneut – oder zum ersten Mal – ein Darlehen zur Verfügung gestellt, um die erheblich gestiegenen Druckkosten zu stemmen. Ohne euer großzügiges Beitragen ginge das nicht. So eine Fülle! DANKE.

Worum geht es?

„Wenn wir wieder wahrnehmen“ möchte ein Weckruf sein. Kein Aufschrei, auch kein Aufruf zu panischem Aktionismus um kurz vor oder nach zwölf. Eher eine Einladung, innezu­halten und dadurch wach zu werden. Es möchte beschreiben, was uns abhanden gekommen ist – tiefes, bezogenes Wahrnehmen – und wie wir es wieder­finden können.

Die Texte bewegen sich tief in mir, auch die visuellen Eindrücke wirken noch auf mich. Wow. Ich fühle mich zugleich tief erkannt und durchge­schüttelt, konnte so viel finden in diesen Zeilen. Erst eben habe ich die letzten Seiten gelesen und kann mein Erleben gar nicht recht benennen, neben diesem doch recht flachen Wort "wow" (das ich zutiefst meine!) nur sagen: Ich wünsche uns Menschen, dass sehr viele von uns dieses Buch in uns wirken lassen werden.“ (Luka)

Wir müssen anerkennen: Wie sich im Moment das gestaltet, das wir Leben nennen, dient nicht dem Leben. Wenn sich nicht etwas Wesent­liches verändert an unserer Kultur, dann wird die Menschheit als kurze Episode in die Geschichte des Lebens auf diesem Planeten eingehen. Ein evolutionärer Irrtum, eine Sackgasse, die in absehbarer Zeit ein Ende finden wird, weil wir mit unserer Lebensweise sowohl anderes Leben vergiften und auslöschen, als auch in logischer Folge unser eigenes. Ohne anderes Leben können wir nicht sein.

Der Klimawandel – als Symbol für die vielfältigen Krisen unserer Zeit – ist zwar in unser Bewusstsein gerückt, nicht aber die Einsicht, dass es darum geht, unser Verhältnis zum Leben, das ganze Narrativ, auf dem unsere Kultur fußt, grundsätzlich zu hinter­fragen. Dazu fehlt uns die Zeit, wir sind gestresst und hecheln im Hamsterrad. Und wir fühlen uns ohnmächtig, leiden unter den Lebens­be­din­gungen unserer zivili­sierten Welt – und kreieren sie doch mit. Denn wir verkörpern diese Kultur und erschaffen sie durch unser Handeln jeden Tag neu, geben ihr Futter und Bestätigung. Wir selbst schaffen diese Kultur – nicht irgend­welche externen Kräfte. Wenn wir das begreifen und bereit sind, unsere Verzweiflung darüber zu spüren, erst dann kann sich etwas verändern – nicht oberflächlich, sondern grundlegend.

„Wenn wir wieder wahrnehmen“ ist ein Plädoyer dafür, dass wir Menschen unserem überbe­werteten Verstand eine feine Wahrneh­mungs­fä­higkeit und Sinnlichkeit an die Seite stellen, damit wieder in Balance geraten kann, was momentan in einer Schieflage steckt. Wie können Denken und Spüren in ein produktives Wechselspiel miteinander kommen und wie können wir aus so einer Haltung und Fähigkeit heraus die Welt lebens­för­derlich gestalten?

Ohne wache Sinne hat der Verstand keine Basis, wir haben uns im wahrsten Sinn des Wortes entwurzelt. Oder vielmehr: Wir konnten nie ganz auf der Erde landen und uns in der Geborgenheit des Lebens­gefüges beheimaten, weil wir bei unserer Geburt keine guten Bedingungen vorfanden. Vor lauter Schreck haben wir uns in unseren Kopf zurück­gezogen und hoffen, dort Sicherheit über Kontrolle zu finden. Dieses Bedürfnis zu kontrol­lieren entspringt allerdings nicht einer Souveränität, sondern unserer starken Verunsi­cherung und dem über die Jahre angehäuften (kollektiven) Trauma. Was dieser Kontrollzwang anrichtet, davon zeugen die vielfachen Krisen unserer Zeit.

Also gilt es, die Errungen­schaften des Verstandes mit unserer Kreatür­lichkeit bewusst wieder zu verweben, um in unser volles Potenzial hinein­zu­wachsen. Das erfordert Übung und die beherzte Entscheidung, gewohnte Pfade und damit auch liebge­wordene vermeintliche Sicher­heiten zu verlassen.

Wenn wir ein Vertrauen in die eigene Wahrnehmung entwickeln, können wir der Welt begegnen wie sie ist und aus dem Moment heraus unser Handeln gestalten, anstatt in blindem Trott Gewohntes, aber Schädliches zu reprodu­zieren. Dafür müssen wir als wir selbst anwesend sein. Das versuche ich mit diesem zum Teil aus sehr persön­licher Perspektive geschriebenen Buch. Im improvi­sa­to­rischen Tanz habe ich Übungs­felder für Präsenz und Wahrnehmung gefunden und zu schätzen gelernt. Diese Erfahrungen einer prozess­haften, künstle­rischen Haltung dem Leben gegenüber möchte ich teilen und die Leser*innen ermuntern, sich anstecken zu lassen vom Mut zu mehr Sinnlichkeit. Nicht, weil es das eigene Leben ein bisschen netter macht, sondern weil das Überleben der Menschheit davon abhängen könnte. Tiefer wahrzu­nehmen hat eine politische Dimension.

Kultur­wandel braucht eine Rückbe­sinnung auf die Weisheit, die allem Lebendigen innewohnt. Ich erzähle davon, wie ich meiner Sehnsucht nach Lebendigkeit folgte und beschreibe, welche somatisch-künstlerisch-politische Praxis daraus erwuchs. Damit will ich nicht unbedingt zum Nachmachen anregen – vielmehr dazu, dem eigenen Ruf zu folgen. Wenn wir alle das in die Welt bringen, was sich richtig und im besten Sinn lebendig anfühlt, dann könnten wir auf dem Weg in eine lebenswerte und enkeltaugliche Welt sein.

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Einblicke

Alles anders als gewohnt:
kein Copyright, flexibler Beitrag, freier Bezug

Wenn wir, die Mitglieder des heraus­ge­benden Vereins, insbesondere das Buchteam, hier zu einem Paradig­men­wechsel aufrufen, möchten wir es nicht bei einem Gedankenspiel belassen, mit dem wir viele Seiten geduldigen Papiers bedrucken.

Wenn wir die Inhalte dieses Buchs und damit uns selbst wirklich ernst nehmen, können wir es nicht auf dem üblichen Weg „auf den Markt bringen“. Denn die Logik dieses Marktes beißt sich an allen Ecken mit dem, was hier als wünschenswert beschrieben und als neue Kultur skizziert wird. Wir haben nun lustvoll, radikal und experi­men­tier­freudig den Versuch unternommen, ein Buch heraus­zu­bringen, zu dem wir rundum Ja sagen können. Es hat großen Spaß gemacht, so gut wie keine Kompromisse einzugehen, sondern uns dem Entdecken und Erfinden anderer Wege zu widmen, die zum Teil bereits durch Heikes erstes Buch geebnet wurden.

Das Ergebnis mag vielen Leser*innen zunächst einmal kompliziert und umständlich erscheinen. Nichts funktioniert einfach so, wie wir es gewohnt sind. Ja, so ist das mit Veränderung, nur so geschieht Entwicklung. Wir nehmen das gern das in Kauf. Es ist uns lieber, ein wenig anstrengend daherzu­kommen, als das einfachere, aber ausbeu­te­rische, und lebens­feindliche Normale fortzu­schreiben und damit zu seinem Weiter­be­stehen beizutragen. Es ist nämlich nicht alterna­tivlos. Nur weil es als normal gilt, ist es noch lange nicht in Ordnung – eher im Gegenteil. Wenn dann nicht mehr alles selbst-verständlich ist, erklären wir es eben:

Creative-Commons-Lizenz statt Copyright

Was sich kaum jemand bewusst macht: Ein Copyright erzeugt Mangel, es beschränkt die Nutzung von Texten und ihren Inhalten, beharrt auf geistigem Eigentum. All das möchten wir nicht. Wie absurd wäre es, einen Text zu schreiben, der zum Teilen und Wirksam­werden aufruft – und dann seine Verbreitung künstlich einzuschränken, weil das halt so üblich ist und jedes Buch im Impressum dieses kleine eingekreiste c stehen hat. Wie seltsam wäre es, zu behaupten, was hier steht, sei unser Eigentum. Es ist so genährt von kollektivem Reichtum an Erkenntnis. Möge es nun in dieser Form ungehindert in die Welt finden und dem Wandel dienen! Wir freuen uns, wenn diese Texte unter Nennung der Quelle frei genutzt und weiter­gegeben werden. Einzige Voraus­setzung ist, dass die Weiter­nutzung nicht zu kommer­ziellen oder mit Copyright versehenen Zwecken geschieht, denn an dieser Stelle würde das bestehende System unsere Haltung für ihren Profit missbrauchen. Dafür stehen wir nicht zur Verfügung – im Zweifelsfall nehmt bitte einfach Kontakt mit uns auf. Danke.

Bei Interesse an Sibylles Bildern wendet euch bitte direkt an sie: https://sibylle-reichel.de.

Flexibler Beitrag statt festem Buchpreis

Ebenso unsinnig und beschränkend wie das Copyright kommt uns ein fester Preis vor. Menschen verdienen so unterschiedlich viel Geld, dass das Buch entweder für manche nicht erschwinglich wäre oder wir den Preis so weit drücken müssten, dass das Buchteam am Ende leer ausginge. Es geht uns ohnehin nicht darum, hier etwas zu „verkaufen“: Wenn Menschen frei beitragen können anstatt etwas zu einem festge­legten Preis erwerben zu müssen, verabschieden wir uns ein Stück weit von Bedingungen und Tauschlogik. Diese Texte geben der Vereins­arbeit der Heraus­geberin Ideen hoch drei e.V. eine ideelle Basis und stärken die Haltung, die dem Wirken des Vereins – und dem Wirken des Buchteams – zugrunde liegt.

Das Buch soll für alle zugänglich sein. Unter dem Motto „Gib was du kannst!“ nennen wir zur Orientierung einen Richtwert (42 €). Wenn alle so viel geben, können wir, die wir das Buch gemacht haben, gut von unserer Arbeit leben. Daneben gibt es den Sockel­beitrag (17 €). Mindestens soviel brauchen wir, damit die reinen Produk­ti­ons­kosten des Buches gedeckt sind (Druck, Material, Reisekosten und ähnliche Ausgaben), wir also nicht draufzahlen. Wenn du nicht viel Geld zur Verfügung hast und den Sockel­beitrag wählst, schenken wir dir unsere Zeit und Arbeitskraft, die in dieses Buch geflossen sind.

Mehr Informa­tionen dazu findest du auf unserer Bestellseite:

Anders beitragen

Es gibt viele weitere Möglich­keiten beizutragen, zu diesem Buchprojekt und zu einer Kultur jenseits von Tauschlogik und Quitt-Sein – bspw. über eine Spende oder tatkräftige Unterstützung es in die Welt zu bringen.

Cradle to Cradle statt so billig herstellen wie möglich

Gedruckt ohne Gift und Abfall bei der cradle-to-cradle-Druckerei gugler.

Wenn uns das Leben auf diesem Planeten am Herzen liegt, braucht es andere Produk­ti­onswege, Kreisläufe, die keinen Müll, keine Belastung erzeugen und nicht auf Kosten unserer Mitwelt Profit machen. Wir sind dankbar, dass die Druckerei gugler auf diesem Gebiet Pionier*arbeit leistet und freuen uns, dass wir das Buch dort drucken konnten.

Um Müll zu vermeiden, verzichten wir auf das Einschweißen der einzelnen Bücher. Sollte es dadurch beim Transport bei dem einen oder anderen Buch zu einer kleinen Macke kommen, bitten wir, diese als Lebens­spuren und sichtbares Zeichen von Wandel zu betrachten.

Selber machen und auf Unterstützung bauen

All die genannten Besonder­heiten sind bislang nicht so gut vereinbar mit den Selbst­ver­ständ­lich­keiten von konven­tio­nellen Verlagen und Buchhandel. Also geben wir als Verein Ideen³ das Buch in Eigenin­itiative heraus. Du kannst es beziehen per Direkt­be­stellung hier bei uns.

Und wir freuen uns, dass es ein paar kleine Läden gibt, Buchhand­lungen und andere, die sich auf unser ungewöhn­liches Finanz­kozept einlassen. Danke! Ihr findet diese Läden in der Liste der Verteil­sta­tionen.

Wir freuen uns über die Unterstützung unserer Leser*innen, um das Buch auf ungewöhn­lichen Wegen in die Welt zu bringen: Wir sind dankbar für eure Anregungen, wie es auf Bücher­tischen, in Läden, bei Veranstal­tungen oder anderen aufgeschlossenen Orten es seinen Platz und damit seine Leser*innen finden kann. Wir haben in der Entste­hungsphase bereits eine derart großzügige Unterstützung durch zinslose Privat­darlehen erfahren, da sind wir voller Zuversicht, dass uns bei allem Weiteren ebenso viel Hilfe zuteil werden wird.

Melde dich gern, wenn du Ideen dazu hast: ... oder schaue dir unsere Vorschläge an:

„Wenn wir wieder wahrnehmen“ ist aufwändig layoutet, hat etwa 550 Seiten, durchweg farbig gedruckt, enthält ca. 80 Bildliche Resonanzen und ein heraus­nehmbares Beiheft mit weiteren Graphiken und Bildern. Das Buch möchte so sinnlich sein wie sein Inhalt.

Nächste Termine

Sonntag, 09.10.2022

Ludwigsburg

Öffent­liches STANDING WITH THE EARTH

Donnerstag, 13.10.2022

Erfurt

Ausstellung mit Bildern, Texten und Erfahrungs­räumen

Ein Koopera­ti­ons­projekt der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen und des Kultur:Haus Dacheröden, Erfurt

Dienstag, 18.10.2022

SCHUBladen in Sonthofen

Merrit Gassner liest aus
WENN WIR WIEDER WAHRNEHMEN